Member Story #1 • Projekt RallyCross
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Das ist unsere erste Member-Story, die wir euch vorstellen wollen. Erzählt von unserem Member Heinz Z. Viel Spaß dabei.

 

Wir wollten einmal Motorsport für den schmalen Geld-beutel machen. Also suchten wir dafür eine Möglichkeit. Wir, das waren Ben, unser Kumpel Detlev und ich. Kart kam nicht in Frage, dafür waren wir alle zu alt und zu schwer :-) .


Doch nach langem Suchen fanden wir eine Möglichkeit im RallyCross Motorsport. Es gab im kleinen Ort Schlüchtern (etwas außerhalb) eine RallyCross Strecke mit dem Namen "Ewald Pauli Ring" (Länge ca. 950 m) des MSC-Schlüchtern e.V. (ein Ortsclub des ADAC Hessen-Thüringen). Dort wurde also der Motorsport für den kleinen Geldbeutel bestritten. Und das Ganze nannte sich „ADAC Bergwinkel Autocross Cup“. Auf dieser Strecke wurden auch regelmäßig Europameisterschaften im RallyCross ausgetragen. Also: eine Strecke und ein Cup waren gefunden und das Regelwerk sah nichts vor, was für uns nicht umsetzbar gewesen wäre. Der Bergwinkel Cup ist auch eher eine RallyCross Langstrecken-Teammeisterschaft, denn die Rennen gehen nicht wie üblich im RallyCross über 6-8 Runden mit maximal 6 Fahrzeugen, sondern der Bergwinkel Cup geht über eine Stunde mit Fahrerwechsel und mit bis zu 30 Fahrzeugen. Gefahren werden zwei Vorläufe mit gelosten Startplätzen. Nur die jeweils 15 besten Teams kommen in den Final-Lauf. Gefahren werden insgesamt vier Renntage im Jahr. Also alles sehr überschaubar – und genau unser Ding.

Aber es mussten weitere Grundvoraussetzungen vor-handen sein. Nicht nur, dass man ein taugliches Fahrzeug brauchte, es musste auch die Möglichkeit zum Schrauben geben. Diese Möglichkeit schaffte uns unser Freund Detlev, da er an einem Skoda-Autohaus beteiligt war. Also hatten wir dadurch eine Werkstatt, einen Transporter als Zug-fahrzeug für den Hänger sowie diverses Schrauber-Equipment.

Jetzt suchten wir ein günstiges Fahrzeug für unseren Ersteinstieg in die RallyCross Szene in Schlüchtern. Wir fanden über die üblichen Kanäle einen Audi Coupe Fünfzylinder mit etwa 180 PS, der schon bessere Tage gesehen hatte, aber bereits mit diversen Sachen für den Motorsport aufgerüstet war. Sobald unser Fahrzeug einsatz-bereit war, ging es nach Schlüchtern zum Fahrzeug-Test. Tja, dieser Test verlief nicht ganz so gut. Schnell waren die Schwachstellen des Fahrzeugs erkannt und es ging wieder nach Hause zum Schrauben. Aber vor Ort hatten wir uns gleich erkundigt, was wir als Fahrer so alles brauchen – sprich Helm, Anzug, Handschuhe. Und vor allem, welche Homologation mussten die Sachen haben, denn das wird durch die FIA festgelegt.

Wenige Wochen später hatten wir dann unser erstes Rennen. Wir waren megamäßig aufgeregt, denn es war absolutes Neuland für uns. Die Platzierungen waren uns völlig egal. Wir wollten nur Spaß haben – und den hatten wir auch. Wir waren alle drei totale Motorsport-Fans, aber das, was wir dort gemacht haben, war pures Adrenalin. Und wir waren alle derselben Meinung: noch nie zuvor hatten wir so viel Spaß.

Gleich im ersten Rennen brach Ben während eines Schalt-vorgangs der Schalthebel ab. Es dauerte eine Weile, bis er es schaffte, einen Gang einzulegen und damit dann das Rennen beenden konnte. Für das nächste Rennen am selben Tag mussten wir irgendwie einen Schalthebel bauen. Was wir hatten, war ein großer Schraubenzieher, den wir dann als Schalthebel einbauten und der uns für das zweite Rennen gute Dienste erwiesen hat.

Nachdem wir am Ende der ersten Saison unseren Audi ordentlich geschrottet hatten (kapitaler Motorschaden), musste für die nächste Saison ein neues Basisfahrzeug her. Und es war klar, dieses Mal musste es ein Skoda sein. Wir wurden auch recht schnell fündig und waren dann stolze Besitzer eines Skoda Oktavia. Auch an diesem Fahrzeug war motortechnisch schon was gemacht – und mit ein paar Modifikationen waren wir schnell bei ca. 250 PS. Aber bei diesem Oktavia-Projekt mussten wir das Fahrzeug quasi komplett aufbauen. Bremsen, Sprit und ein selbstgebauter Überrollkäfig stellten uns vor schwierige Aufgaben. Aber ich hatte immer das Gefühl, dass die beiden Schrauber Ben und Detlev alles im Griff hatten. Ich sorgte dann noch für eine günstige Fahrzeug-Folierung und fertig war unser Renner.

Monate später ging es zur ersten Testfahrt auf den Ewald Pauli Ring. Was wir dort erlebten, wird uns ewig im Gedächtnis bleiben – vor allem unserem Ben.

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Der "Eduard Pauli Ring", innen der MotoCross Kurs, außen der RallyCross Kurs. Streckenlänge ca. 950 m. Inzwischen, ca 70% Asphalt und 30% Schotter.

Alles lief ganz gut, obwohl wir wussten, dass unsere Reifen und unser Fahrwerk nicht das Beste waren. Ben war an der Reihe, seine ersten Runden im Oktavia zu drehen. So etwa in der dritten Runde ließ er es offensichtlich richtig krachen, leider etwas zu viel. Die erste Kurve nach der etwas längeren Geraden wurde ihm zum Verhängnis. Er ließ das Gas wohl etwas zu lange stehen, verlor beim Einlenken die Kontrolle, die Gegenbewegung schleuderte ihn gegen den Wall am Scheitelpunkt der Kurve, der Oktavia wurde ausgehebelt und landete unsanft auf dem Dach. Der Schreck fuhr uns am Streckenrand bis tief in die Glieder. Wir rannten – was die Beine hergaben – zum Ort des Geschehens. Vor Ort angekommen, sahen wir schon Ben, wie er sich kopfüber aus dem Fahrzeug quälte. Ihm war Gott sei Dank nichts passiert.

 

Alle Streckenhelfer eilten herbei, um die Lage zu checken. Gemeinsam drehten wir das Fahrzeug erst einmal wieder auf die Räder. Leider mussten wir erhebliche Schäden feststellen, aber laut Ben und Detlev war alles wieder reparierbar. So endete unsere erste Testfahrt mit unserem neu aufgebauten Fahrzeug mit Schrecken, aber auch mit Häme für Ben.

Nach all den Reparaturen fuhren wir mit dem Oktavia noch einige mehr oder weniger gute Rennen. Letztendlich war es aber oft das Material, das diesen unglaublichen Belastungen nicht standgehalten hat.

Jedoch holte unsere Leidenschaft eine nicht vorhersehbare Tatsache ein, so dass wir auf einmal ohne Werkstatt, ohne Zugfahrzeug und ohne Hänger unser Hobby nicht mehr ausüben konnten.

Aber alles in allem war es eine unglaublich tolle Zeit auf der Strecke und neben der Strecke. Eine aufregende Zeit mit viel Spaß und Adrenalin, die jeder von uns nie vergessen wird.

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